Die Autoren zu ihrem WerkFriedrich SchenkerEin erotischer Roman fordert den Komponisten heraus zu erotischer Musik aller Stufen. Musik vor dem Eros, hin zum Eros, Verführung, Musik des sexuellen Vollzugs mit Vorspiel, Orgasmus, Nachspiel. Schließlich Musik nach dem Eros, Triumph, Wut, Enttäuschung, Resignation, Wahnsinn, Tod. Wie können eine französische Herzogin, ein Graf, Boudoirs und andere Accessoires des 18. Jahrhunderts uns heute noch interessieren - noch dazu in der Form einer Opera seria? Dieses Operntheater ist politisches Maskenspiel. Die Ausstattung, die Inszenierung, die musikalischen Formen (Ouvertüre, Accompagnati, Secchi, Arie, Duetti, Balletti), die musikalischen Strukturen, das Libretto mit seinen Zitaten, die Musikalisierung und "musikalische Theatralisierung" der Texte sind mehrdimensionale Allegorien des Weltzustandes. Diese Intrigen sind keine von der Welt abgehobenen Märchen. Der Gesangsstil der Protagonisten ist durchaus dem Belcanto verpflichtet und hochvirtuos. Fiorituren und vokaler Ausdruck werden um die Intervalle, die Artikulationen, die Affekte der musikalischen Moderne erweitert. Die Musik gehorcht dem Materialerfahrungsstand der Gegenwart, so daß sich die zitierten historischen Formen in neue, zeitgemäße verwandeln. Karl MickelDie Oper adaptiert Figuren und Vorgänge des berühmten erotischen Romans von Choderlos de Lacios. Die Fabel ist gefügt nach erweitertem Modell der Opera seria: also mit Ensembles, jedoch ohne Chöre, für diese steht, der älteren Tradition folgend, das Ballett. Rezitative treiben die Handlung. Accompagnati, Arien und Duette legen die Affekte frei. Die Finali beider Akte vereinen jeweils alle Personen. Gegenstand ist eine hohe Intrige, d.h. ein Spiel. dessen Einsatz das Leben ist und dessen Konfrontationen regelgerecht auf Umwegen und durch Mittelglieder ausgetragen werden: Zwei sexuelle Großmächte, die Herzogin von Merteuil und der Graf von Valmont, da ihr inniger Streit dauerhaft unentschieden zu schweben droht, beschließen sie die Trennung und teilen die Welt, der Herzogin alle Männer, dem Grafen alle Frauen. Über Leiber und Seelen ihrer Lustobjekte (der schizophrenen Frau von Tourvel, des blutjungen Mädchens Cecile und des halbwüchsigen Danceny) setzen sie den Krieg gegeneinander indirekt fort und gehen an Ihrer Hybris mitsamt den Opfern zugrunde. |