Ferruccio BusoniDOKTOR FAUSTMusikalische Leitung: James Allen Gähres Inszenierung: G. H. Seebach Bühnenbild und Kostüme: Hartmut Schörghofer Chor: Wolfgang Balzer Ferruccios Busonis posthum 1925 in Dresden uraufgeführte
Oper vermeidet die Bezugnahme auf Goethes Schauspiel. Sie entlehnt nicht nur die
Faust-Figur der Renaissance, sondern auch die Äußere Form der
dramatischen Anlage. In zwei Vorspielen einem Intermezzo und zwei sogenannten
Hauptspielen rollt das Geschehen von Fausts Versuchung bis zu seinem Tode in
Form von einzelnen Stationen vor dem Zuschauer ab. Wie mancher Geistesmensch
erliegt Faust, als sein Leben den Zenit zu überschreiten droht, der
Versuchung, daß die Tat zugleich ins Leben trete mit dem Gedanken".
Mephistopheles kann dies bieten und die ersten, die es zu spüren bekommen,
sind die Gläubiger vor Fausts Türe. Faust steht nun jeder Wunsch
offen, bis er mit dem Bild der Helena konfrontiert wird, in der sich die höchste
Vollendung als Traum der Jugend, Ziel des Weisen" symbolisiert. Doch
Helena erweist sich als Trugbild und die Erkenntnis, daß der Mensch
dem Vollkommen nicht gewachsen" sei, kommt zu spät. Fausts Zeit ist
abgelaufen. Was ihm noch bleibt, ist, das Werk vollenden": Faust übergibt
seine Existenz an einen Nachfolger. Nicht etwa an den Assistenten Wagner,
sondern an das mit der Herzogin von Parma gezeugte Kind. Und du zeuge fort
und grabe tiefer und tiefer die Spur meines Wesens". Auf diese Weise lebt
Faust fort. Ich, Faust, ein ewiger Wille!"
Text von Stefan Steinmetz |