Pierre Corneille
RODOGUNE
Ins Deutsche übertragen und bearbeitet von
Christian Ruzicska und Albert Lang

Regie: Albert Lang
Bühne und Kostüme: Alexander Wolf
Diese Schauspielpremiere des Ulmer Theaters
ist eine veritable Entdeckung!
Wir spielen - zum ersten Mal seit fast
zweihundert Jahren wieder in deutscher Sprache - Pierre Corneilles 1644 entstandene
Tragödie RODOGUNE.
Es spielen: Sigrid Schnückel (Laonike),
Charlotte Ullrich (Rodogune), Ulla Willick (Cleopatra); Ulrich Bodenstein (Oront),
Frank Ehrhardt (Antiochus), Karl Heinz Glaser (Timagenes) Martin Rudolf (Seleucus), sowie die
Studenten der Akademie für Darstellende Kunst Ulm: Till Florian Beyerbach, Stefan
Enderle, Markus Füllemann, Reiner Kais, Jan Erik Schaumann und Jörg Zenker.
Die Premiere ist am Sonntag, dem 8. Oktober
2000, um 19.30 Uhr im Podium.
Zur Handlung
Ausgangspunkt dieser Tragödie bildet eine
diplomatisch herbeigeführte Staatshochzeit zwischen den Parthern und Syrern. Ein seit
Jahren andauernder Krieg zwischen beiden Parteien soll auf diese Weise mit einem
Friedensvertrag beendet werden.
Rodogune, Schwester des Partherkönigs, soll
laut Vertrag einen der beiden Prinzenzwillinge aus dem Haus der Syrer heiraten. Cleopatra,
Königin von Syrien, aber hielt bislang für sich, welcher der Prinzen ihr Erstgeborener
und somit legitimer Thronfolger ist. Am Tag der Hochzeit soll Cleopatra vertragsgemäß
den Erstgeborenen benennen, ihre Herrschaft abtreten und dem neuen Paar die Macht
überantworten. Sich diesem Zwang zu ergeben, steht aber keineswegs in ihrem Interesse.
Sie will ihre Söhne in ihren politischen Apparat einbeziehen. Ziel ihrer Vorstellung ist
es, daß derjenige Sohn die Macht im Staat erhält, der ihre Gegenspielerin, Rodogune,
ermordet.
Beide Söhne lieben aber die Prinzessin und
fassen den Plan, Cleopatra zu hintergehen und Rodogune die Königswahl zu übertragen.
Doch auch Rodogune fordert von den Prinzen einen Preis für ihre Liebe: den Mord an der
ihr verhaßten Cleopatra.
Zum Autor
Pierre Corneille wurde am 6. Juni 1606
in Rouen geboren und an einer Jesuitenschule erzogen. Ab 1622 studiert er die Rechte und
wird 1628 Beamter im Königlichen Forstwesen; 1641 heiratet er. Sein Leben verläuft
unspektakulär: "er ist pflichtbewußter Familienvater, treu der Kirche, dem König,
dem Staat ergeben, (römisch) gesinnt, nicht auf Macht und Geld begierig, sondern auf die
Vollkommenheit seiner Kunst." (H. Helbling)
1629 ist Corneille zum erstenmal mit einer
Komödie erfolgreich; 1636/7 läßt er zwei völlig verschiedenartige Stücke auffuhren, L'Illusion
Comique und die Tragikomödie Le Cid. Dies letztere Werk begründet nach
allgemeinem Konsens das sogenannte klassische französische Theater. Zu Corneilles
wichtigsten Tragödien zählen Horace (1640), Cinna (1641) und Polyeucte
martyr (1643) und Rodogune, Princesse des Parthes (1644). Corneille selbst
hielt Rodogune für sein bestes Stück.
Als anerkannter Dramatiker erhielt Corneille
staatliche Zuwendungen und wurde im 1647 Mitglied der Académie Française. In den
folgenden Jahren entstanden seine erfolgreich uraufgeführten Stücke Andromède
(1650) und Nicomède (1651). Nach dem Mißerfolg von Pertharite (1651)
verfaßte Corneille jedoch acht Jahre lang keine Dramen mehr. Später schrieb er
zahlreiche Stücke auf Bitten der Regierung, die jedoch nur noch wenig erfolgreich waren.
Pierre Corneille starb am 1. Oktober 1684 in Paris.
Zur Aufführungsgeschichte
RODOGUNE gilt in Frankreich als eine der
großen klassischen Tragödien Corneilles und wird seit der Uraufführung 1644/45 in immer
neuen Inszenierungen aufgeführt. Seit Gründung der Comédie Française im Jahre 1680 ist
sie allein dort mehr als 460 mal aufgeführt worden.
Auch in Deutschland gab es schon früh
Aufführungen: bereits um 1680 soll die fahrende Gesellschaft von Johannes Velten eine
eigene Version des Stoffes mit großem Erfolg gespielt haben. RODOGUNE hielt sich dann,
wahrscheinlich in der Übertragung Bressands, über 100 Jahre konstant auf den
Spielplänen. Aufführungen in vielen Städten wie Braunschweig, Hamburg, Weimar, Gotha,
Altenburg, Innsbruck, München, Berlin etc. sind belegt. Scheinbar war die große Berliner
Aufführung von 1802 jedoch die letzte dokumentierte deutschsprachige Aufführung.
Corneilles RODOGUNE wurde aber auch
wiederholt in französischer Sprache in Deutschland aufgeführt, beispielsweise im 18.
Jahrhundert in München, Frankfurt und Hamburg. Auf Anweisung Napoleons wurde dem Erfurter
Fürstenkongreß 1808 eine Aufführung von RODOGUNE im einem Gastspiel der Comedie
Française vorgeführt.
Zur Übersetzungsgeschichte
Eine erste gedruckte Übersetzung der
RODOGUNE von Friedrich Christian Bressand lag bereits 1691 in Braunschweig vor. 1767
Jahrhundert folgte eine G. Behrmann zugeschriebene Übersetzung für das Deutsche
Schauspielhaus in Hamburg. 1802 hatte unter Ifflands Regie eine Übersetzung und
Bearbeitung des Stücks von August Bode in Berlin Premiere.
Aufführungen der späteren Übersetzungen
von H. Heller (Leipzig 1874) und Rudolf Alexander Schröder (1956) sind nicht bekannt.
Die Ulmer Inszenierung basiert auf einer in
diesem Jahr angefertigten Neuübersetzung und Bearbeitung des Originals von Christian
Ruzicska und Albert Lang.
Zum Inszenierungsteam
Regisseur Albert Lang, Jahrgang 1967, war in
den letzten Jahren unter anderem tätig an den Bühnen der Stadt Köln, am Jungen Theater
Göttingen, am Landestheater Schwaben, am Bayerischen Staatsschauspiel und am German
Theater Abroad. Er lebt in Berlin.
Bühnen- und Kostümbildner Alexander Wolf,
Jahrgang 1962, studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Prof. Volker
Pfüller. Während des Studiums Assistenzen bei Ruth Berghaus und Peter Schubert. 1993
Diplom. Seitdem freiberuflich tätig.
Er arbeitete unter anderem an folgenden
Theatern: Maxim-Gorki-Theater, Schauspiel Leipzig, Hans-Otto-Theater Potsdam,
Staatstheater Schwerin, Theater Kreatur Berlin, Schauspielhaus Graz, Berliner Ensemble,
Schauspiel Bonn, Nouveau Théâtre de Bourgogne/Centre Dramatique Dijon, Junges Theater
Göttingen, Staatstheater Kassel und an der Volksbühne Berlin.
Christian Ruzicska, Jahrgang 1970, lebt als
Übersetzer und Verleger (Tropen Verlag) in Köln.
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